Schatten I

Das ist nicht chronologisch oder folgt einer sonstigen Logik, es ist einfach mal irgendwo angefangen und was eben so kommt.

 

Ägyptenurlaub:

Ägypten war toll, meine Eltern nicht so...

Meine Erinnerungen sind eigentlich ganz gut, ich erinnere mich an Das tolle Hotel, die Silvesterparty und das Weihnachtsbuffet und an ein Uboot und die armen Kinder und den Kellner, der mich heiraten wollte gegen ne Menge Kamele und alle wollten mich mit meinen roten Haaren streicheln und haben mir Käfer geschenkt. Ich hab mit meinem Papa Schach im Hotelfoyer gespielt.

Aus Erzählungen weiß ich: mein Vater war alleine im Tal der Könige, meine Mutter war todkrank, Magen-Darm, sie sagt ich hab ihr das Leben gerettet wei sie wohl völlig am dehydrieren war und so und meinen Vater hats nicht interessiert, ich hab mich dann um sie gekümmert und ich hab dann wohl jemanden geholt als es ganz schlimm wurde und/oder irgendwann meinen Vater vollgeheult er muss dableiben oder so. Irgendwas war noch mit einer Tänzerin die mein Vater ganz toll fand und ich glaube auf die letzten Tage in Luxor dann haben meine Eltern irgendwie (mal wieder?) beschlossen sich zu trennen oder so.


Im Klo eingeschlossen

Ich weiß nicht wie alt ich war, ich schätze so zwischen 5 und 10. Ich erinnere mich nicht wirklich, nur Streit, Geschrei, Tränen und Panik, von meiner Mutter mit ins Klo gezerrt und eingeschlossen. Ich erinner mich, dass ich zwar schon Angst hatte aber auch fassungslos war weil ich nicht dachte, dass mein Papa uns wirklich was macht.

Ich weiß nicht ob er evtl. betrunken war oder so, ob er meine Mutter schon geschlagen hatte, keine Ahnung. Eigentlich nur diese Szene wie wir im Klo eingeschlossen sind, meine Mutter aufm Klo sitzt und hysterisch heult.


Zähnchen ausgeschlagen

Mal wieder was wo ich keine wirkliche Erinnerung habe, nur so ein Bild-Gefühl Knäuel was mir ansonsten meine Mutter knapp erzählt hat. Streit, ich irgendwie zwischendrin, versuche wohl zu beruhigen, mein Vater schubst meine Mutter oder so, ich falle gegen das Klavier, schlage mir einen Zahn aus. Mein Vater kniet vor mich, weint bitterlich, entschuldigt sich.


Polizei

Die Polizei steht vor der Türe weil meine Eltern sich so heftig gestritten haben, dass die Nachbarn sie alarmiert haben. Ich weiß nicht wie oft.


Nach dem Sturm

Mein Vater liegt im Wohnzimmer vor dem Fernseher, meine Mutter sitzt im Schlafzimmer und heult bitterlich. Ich tröste sie.



Auszug

Während mein Vater aus unserer Wohnung auszieht werde ich zum Skifahren mit meiner Schwester uns Wolfgang geschickt. Blöd nur, dass es garnicht gut läuft und Wolfgang sagt wenn ich seine Tochter wäre würde er mir eine Tracht Prügel verpassen. Keine Ahnung warum, ich glaube weil ich so unordentlich war. Kurz nachdem mein Vater ausgezogen ist müssen wir auch aus der Wohnung raus in der ich mein Leben lang gelebt hatte. Sogar nur im Haus, einen Stock höher. Ich sollte mich nicht so anstellen, meine Schwester musste ganz oft in ihrem Leben umziehen.


Undankbar I

Ich bekomme in der neuen Wohnung das große Zimmer, meine Mutter das kleine. Später zusammen mit Robert. Doch ich räume das Zimmer nie auf, helfe nicht im Haushalt und akzeptiere Robert nicht. Das alles obwohl ich doch das tolle große Zimmer bekommen habe!



Der Stiefvater

Robert ist peinlich, ich verstehe die Beziehung nicht, er tut alles nach Befehl. Er bidert sich an bei mir und gleichzeitig ist er pingelig und kalt. Einmal hatte ich mal wieder vergessen neues Klopapier aufzuhängen, war grade dabei mir Schuhe anzuziehen zum gehen. Robert baut sich vor mir auf und rügt mich. Ich entschuldige mich halbherzig und binde weiter meine Schuhe. Robert tötet mich mit seinen Blicken. „Jetzt!!“



Schläge

In meiner frühen Kindheit wurde ich glaube ich fast nie geschlagen, ich erinnere mich nur an ein mal, ich brachte Rebecca direkt nach der Schule mit zu uns nach Hause weil sie ihr Kleid zerrissen hatte und Panik hatte vor ihrer Mutter. Ich wollte meine Mutter um Rat fragen.

Ich weiß nicht warum aber meine Mutter hat mich als sie wieder weg war heftig den Arsch voll gegeben, ich meine es war weil es unangemeldet war und vielleicht unordentlich war bei uns oder so.

Gerade nach der Scheidung hat mir meine Mutter dann öfters auf den Hinterkopf geschlagen bzw. eine mitgegeben, immer ohne jede Ankündigung, ein ekelhafter Schreckschmerz weil man es ja nicht kommen sieht und einem auf einmal schwarz vor Augen wird. Einmal stand ich dabei im Klo vor dem Spiegelschrank und knallte dadurch zusätzlich mit dem Kopf vorne dagegen. Sie hat sich nie dafür entschuldigt.



Du spielst Theater

Wenn meine Mutter uns in der Zeit nach der Scheidung gestritten haben sah das nach einer Weile weil ich merkte es hat keinen Zweck so aus: meine Mutter kam in mein Zimmer, begann mich wegen irgendwas anzumotzen, meist wegen meiner Unordnung oder weil ich nicht im Haushalt half und weil ich Robert nicht akzeptierte und stattdessen ständig Fernsehen sah, Starwahn auslebte oder vor dem Computer hing oder schlief bzw. im Bett lag oder auch weg von zuhause war. (Alles meine Überlebensmechanismen, zum Teil noch bis heute). Ich rechtfertigte mich vielleicht erst noch etwas, dann begann sie irgendwann nur noch zu schreien und mich fertig zu machen bis ich heulend zusammenbrach. Dann wurde sie noch wütender, ich solle aufhören zu heulen, nicht so Theater spielen. Irgendwann begann ich dann mich immer zu krallen oder zusammengesackt mir in den Arm zu beißen um nicht mehr so dolle heulen zu müssen. Danach ritzte ich manchmal. Ich versteckte es immer hoffte aber insgeheim meine Mutter würde es doch sehen, denn dann würde sie mir ja vielleicht glauben, dass es mir wirklich schlecht geht, denn das könnte nicht Theater spielen sein wenn sie es ja versehentlich sieht. Sie hat es nie gemerkt.


Psychoterror

Die Standardsätze meiner Mutter:

Du bist faul“

Du bist egoistisch“

Andere Menschen sind dir egal“

Dir ist egal wie es mir geht.“

Du bist asozial.“ (im Sinne von Penner-asozial)

Du findest nie einen Freund.“

Du könntest nie ein Baby versorgen.“

Du bist undankbar.“

irgendwann: „Ich beginne dich zu hassen“

Während meines sozialen Jahrs sagte sie einmal am Telefon „Früher dachte ich immer du tust nur so aber inzwischen habe ich gemerkt, dass du wirklich ein netter Mensch bist.“

Ich habe mich gefreut.

16.11.07 01:20

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